22. September 2017

Ein Erfolgsbeispiel:

Die Buchhandlung Herr Holgersson


Ein Erfolgsbeispiel:
© Stefan Zahm

1. Wie lange haben Sie an Ihrem Ladenkonzept gefeilt - von der ersten Idee bis zur Umsetzung? Gab es "Sparringspartner", die Sie auf dem Weg ins Ziel begleitet haben?

Von der ersten Idee zum Eröffnungstag vergingen bei uns gute zwei Jahre. Wir wussten, dass wir unbedingt eine "etwas andere" Buchhandlung eröffnen möchten und hatten viele Konzeptideen. Als wir dann das Ladengeschäft in Gau-Algesheim gefunden hatten, war klar, dass wir gerne eine "Buchhandlungswohnung" hier einrichten möchten, weil es gut zum Ladengeschäft und der Einwohnerstruktur des Ortes passt. Wir hatten keine Berater oder ähnliches an unserer Seite. Da unser Konzept - gerade was Einrichtung und Sortimentsauswahl angeht - ja sehr individuell ist, wussten wir, dass wir ohnehin ganz frisch an die Planung herangehen müssen. Als Konzept und Businessplan standen, haben wir die Zahlen von der örtlichen IHK und dem Steuerberater prüfen lassen, bevor wir alles bei der Bank eingereicht haben.   

2. Wie sind Sie bei der Standortsuche vorgegangen? War das Ladenlokal ausschlaggebend - oder eher das Umfeld?

Sowohl als auch. Wir wollten hier keine Kompromisse eingehen und waren auf der Suche nach wirklich außergewöhnlichen Ladenlokalen. So sind wir auf unseren jetzigen Laden in Gau-Algesheim aufmerksam geworden, der zu dem damaligen Zeitpunkt noch eine alte Scheune war. Diese sollte samt dem dazugehörigen Wohnhaus grundsaniert werden - es blieb also noch genug Zeit, um detailliert zu planen und die Finanzierung auf den Weg zu bringen. 

Daraufhin haben wir uns intensiv mit der Stadt auseinandergesetzt - also die Einwohnerstruktur betrachtet und die aktuellen Buchumsatzzahlen damit verknüpft. So entstand die Erlösplanung und damit die Überzeugung, dass wir hier den richtigen Ort für unser Vorhaben gefunden haben.  

3. Wie haben Sie die Bank von Ihrem Konzept überzeugt? Und was raten Sie anderen Gründern beim schwierigen Thema Finanzierung, Businessplan? 

Unsere Erfahrung ist, dass die Bank, wenn sie einen guten, durchdachten Businessplan vorgelegt bekommt, wenig Einwände hat: Die Buchbranche gilt nicht unbedingt als äußerst riskante Branche, im Gegensatz zur Gastronomie zum Beispiel. Den Businessplan haben wir in ca. drei Monaten geschrieben und in dieser Zeit unheimlich viel recherchiert, um eine Vorstellung von den tatsächlichen Kosten zu erhalten. Wir merken, dass sich diese Zeit, die wir mit dem reinen Zahlenwerk verbracht haben, sehr gelohnt hat, da es nach wie vor ein Herzstück des Ladens ist und es uns sehr wichtig ist, einen Überblick über all das zu behalten. 

Ergänzend haben wir unser Konzept und unsere Pläne verschriftlicht - von der Einrichtung über die geplanten Vertriebskanäle bis hin zur ersten Veranstaltungsplanung. Wir hatten das Gefühl, dass es auf jeden Fall sehr geholfen hat, dass wir uns so lange Gedanken gemacht haben und so der Bank zeigen konnten, dass unser Unterfangen wohlüberlegt und durchdacht ist.   

4. Ist es leichter, eine Buchhandlung zu zweit zu gründen - mit geteilter Verantwortung und der Möglichkeit zum Austausch?
Würden Sie Ihr Modell mit der Doppelspitze anderen Gründern empfehlen? 

Für uns passt das sehr, sehr gut - es ist aber bestimmt auch eine Typfrage. Wir hätten beide niemals allein gegründet und waren in der Gründungsphase besonders froh, immer im Gespräch zu sein und keine Entscheidung allein fällen zu müssen. Und auch nach drei Jahren ist es eine große Erleichterung - wir arbeiten gut zusammen, können uns austauschen und gemeinsam kreativ werden. Außerdem waren wir recht früh in der Lage, auch einmal krank zu sein oder in den Urlaub zu fahren.   

5. Haben Sie einen Rat an gründungs- oder übernahmewillige Kollegen - speziell, wenn sie aus anderen Branchen kommen?

Uns hat unsere Ausbildung und die Erfahrung im Buchhandel sehr geholfen. Daher würden wir jedem empfehlen, der den Alltag im Buchhandel noch nicht kennt, auf jeden Fall vorher eine Ausbildung oder zumindest ein längeres Praktikum zu machen. Wir waren sehr froh, dass wir die alltäglichen Abläufe kannten, denn das erste Jahr war ohnehin sehr aufregend und anstrengend. 

 

Interview GRÜNDER Herr Holgersson 


Kontakt

Börsenverein des Deutschen Buchhandels -
Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland e.V.
Villa Clementine
Frankfurter Straße 1
65189 Wiesbaden
Tel. 0611 / 166 60-0

briefe@boersenverein-hrs.de


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