09. Oktober 2018

Erfolgreich mit dem zweiten Ladengeschäft

Erfahrungen zur Filialisierung


Erfolgreich mit dem zweiten Ladengeschäft
© Kirsten Hedemann

 

Anne von Bestenbostel, Inhaberin der Buchhandlung von Bestelbostel in Nordenham, eröffnete am 01. November 2017 ihre erste Filiale. Sie übernahm die Buchhandlung Memminger in Bremerhaven, deren Inhaberin in den Ruhestand ging.
Welche Überlegungen sie zur Übernahme des zweiten Standortes bewegten, berichtet Sie im Interview der Geschäftsführerin des Landesverbands Nord Carola Markwa.


Ab welchem Zeitpunkt ist es sinnvoll Überlegungen für eine zweite Filiale anzustellen? Wie groß muss der finanzielle/zeitliche Spielraum sein?

Ab welchem Zeitpunkt? Das ist wohl mehr eine Frage für Verkäufer, die ja irgendwann mal in Rente gehen wollen. Gedankenspiele machen Spaß, und bestimmt überlegt jeder mal, wie er oder sie denn einen zweiten Laden führen würde. So wie man ja auch manchmal denkt, was man mit einem Lottogewinn machen würde, egal, ob man spielt oder nicht.
Ich gucke mir stirnrunzelnd die Situation in Nordenham an, wo ja meine erste Buchhandlung liegt. Die Einwohnerzahlen sinken, die Schulen schließen, die Innenstadt verödet - das sieht alles nicht so rosig aus.
 

Welche Faktoren waren für Sie bei der Standortsuche entscheidend?

Ich habe gar nicht aktiv einen Standort gesucht, sondern der Standort hat mich gefunden. Vor drei Jahren wurde mir einmal eine Buchhandlung zum Kauf angeboten, da habe ich aber abgelehnt. Ich hätte Personal einstellen und erheblich investieren müssen, und das ist aus der Ferne nicht zu machen. Meine Kinder sind noch zu klein, als dass ich woanders einen Laden zum Laufen zu bringen könnte. Trptzdem habe ich da das erste Mal in Gedanken durchgespielt, ein zweites Standbein zu finden.
Vor einem Jahr hat mich dann die Inhaberin von Memminger angesprochen, weil sie in den Ruhestand gehen und verkaufen wollte. Und da passte alles: das Team arbeitet selbständig und wird hervorragend geführt, die Einrichtung ist nicht neu, aber aus einem Guss, und in Bremerhaven hat Memminger einen sehr guten Ruf. Nach einem gründlichen Blick in die Zahlen war dann klar: das passt! Und nun bin ich bei Memminger nur "die neue Frau im Hintergrund", alles andere läuft eigentlich so weiter wie bisher.

Was hat Ihnen am meisten geholfen, als es ernst wurde? Haben Sie sich externe Unterstützung geholt?

Ich habe mir ganz viel Unterstützung geholt. Zuerst habe ich meinen Betriebsberater Jörg Winter gefragt, damit der mir bei der Durchsicht der Zahlen auch grünes Licht gibt. Dann kam der Steuerberater ins Spiel, der mir mit dem Kaufvertrag geholfen hat und mit Details, die mir im Leben nicht eingefallen wären. Und schließlich habe ich Freunden aus der Branche und aus meiner Erfagruppe Löcher in den Bauch gefragt. Die hatten schon vorher Buchhandlungen übernommen und jede Menge praktische Tipps für mich. Carola Markwa, die Geschäftsführerin unseres Landesverbandes, war mir auch eine große Hilfe. Und schließlich war alles in trockenen Tüchern.

Was würden Sie im Rückblick anders machen – wenn es etwas zu ändern gäbe?

Ich glaube, es gibt nicht nur einen Weg, wie man eine Buchhandlung "richtig" kauft. Bei mir ist im Großen und Ganzen alles gut gelaufen. Ich habe unterschätzt, wie viel man reden und erklären muss, das hole ich jetzt halt nach. Und die Papierflut ist größer und lästiger als man denkt, aber das kann man ja nur ertragen, nicht ändern.
Ich hatte Hilfe von Leuten, die ich schon vorher kannte und mochte, so dass ich mich auf deren Ratschläge sehr gut verlassen konnte. Der Versuch, bei einem Seminar oder bei der IHK noch wertvolle Tipps zu bekommen, ist gescheitert, das hätte ich einfach bleiben lassen können. Aber wenn man gründet oder noch kein so gutes Netzwerk hat, kann das wieder ganz anders aussehen.

Wie organisieren Sie heute das Tagesgeschäft mit zwei Filialen?

Zum Glück macht das Bremerhavener Team einen tollen Job, auch ohne dass ich etwas organisiere. Ich versuche, einmal in der Woche rüberzufahren oder jemanden herzuholen, aber wenn in unseren kleinen Teams jemand ausfällt, fällt so ein Plan schnell in sich zusammen. Wir mailen und telefonieren jeden Tag. Es ist aber wichtig, dass man sich regelmäßig einfach ohne Zeitdruck austauscht. Wir müssen uns ja auch noch alle besser kennenlernen.
Bei der Vertreterreise mussten wir ziemlich aufpassen, dass wir ab jetzt gemeinsam veranschlagt werden. Durch die gebündelten Umsätze konnten wir Konditionen verbessern, das ist natürlich ein sehr schöner Effekt. Den Einkauf machen wir aber weiter getrennt, weil jede von uns am besten weiß, was die Kunden wollen.
Mein Mann transportiert zweimal die Woche Ware und Papiere hin und her. Sein "Jacques' Wein-Depot" liegt auch in Bremerhaven, so dass er regelmäßig pendelt und nun auch noch der inoffizielle Fahrer für die Buchhandlung Memminger ist. Das war auch ein Pluspunkt: wir konnten Bremerhaven ganz einfach in unseren Alltag einbauen, weil zumindest er sowieso fast jeden Tag da ist. Die Zehnerkarte für die Fähre lag schon im Auto...


Kontakt

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